Aschramexil
In der von Kochi etwa eine Stunde entfernten indischen Kleinstadt "Allepey", ging es mit einer Fähre durch Keralas Backwaters. Wir schipperten durch die von Palmen gesäumten Kanäle , an Reisfeldern vorbei, wo wir schon von weiten, an den bunten Farbklecksen in der grünen Weite, die indischen Frauen in ihren Saris bei der Feldarbeit entdeckten. Vom Wasser aus kann man einen Blick auf das dörfliche Leben erhaschen was sich entlang der Ufer abspielt und sonst ohne weiteres nicht möglich ist. Denn viele der Dörfer hier sind sehr isoliert und die Wasserläufe dienen auch heute noch als die Hauptverkehrswege.
Beim Aschram des weiblichen Gurus Matha Amrithanandamayi auch "Amma" (Mutter) genannt, verließen wir mit wackeligen Beinen und noch ganz beduselt von den schönen Eindrücken, die Fähre.
Amma hat auch den Ruf der "umarmende Mutter", in stundenlangen Zeremonien hat sie mittlerweile schon mehrere Millionen Menschen umarmt. Ihr geht es darum Trost und Liebe in der Welt zu verbreiten. Auch international findet sie Anerkennung und auf ihren zahlreichen Tourneen, sorgt sie dafür, dass Jedem , die von ihr gehaltenen Vorträge, geführten Meditationen und Musik, kostenfrei zugänglich ist.
Hier im Aschram, ihrer Geburtstätte, hat sie ein spirituelles Zentrum aufgebaut und gleichzeitig ist es der Sitz ihrer Organisation "embrassing the world".
Die drei Hauptziele dieser Organisation sind Armutsbekämpfung, das ermöglichen von Bildung und Frauen den Weg in die Unabhängigkeit zu ebnen.
So ermöglicht sie beispielsweise die Renovierung von Hütten in Slums, vergibt Mikrokredite, hat schon über 100.000 Stipendien vergeben und errichtete nicht weit vom Aschram entfernt 5 verschiedene Universitäten. Religion und Herkunft spielen für die Hilfsorganisation keine Rolle.
Der Aschram liegt auf einer Landzunge inmitten von Palmen und kleinen Dörfern. Im Zentrum befindet sich ein großer Tempel der von Plattenbauten umgeben ist.
Dies verwunderte uns zunächst ganz schön, doch wie wir später erfuhren, musste auf den großen Andrang der Menschen die aus aller Welt hier her kommen um einige Tage, Woche, Monate, Jahre oder auch ihr ganzes Leben hier zu verbringen, reagiert werden.
Es ist eine bunte Mischung aus gläubigen Indern, Westlern und den indischen Studenten der nahegelegenen Universitäten Ammas. Schon gleich nach unser Ankunft wird uns bewusst, dass hier alles sehr organisiert ist. Wir bekamen sofort ein Zimmer zugewiesen , Regeln für das Zusammenleben in die Hand gedrückt und eine Führung durch den gesamten Aschram.
Im elften Stock des ersten Plattenbaus rechts, fanden wir nun also unsere Bleibe für die kommenden Tage. Ein kleines sehr spärlich eingerichtetes Zimmer in dem sich außer einem Tischchen und 3 Matten auf dem Boden, nichts weiter befand. Es erinnert uns etwas an ein Knastidasein. Aber es gibt wohlgemerkt ein Bad mit europäischen Klo und funktionierender Dusche ;)
Eine Übernachtung kostet 250 Rupie (3,55€) , allerdings sind alle drei indische Mahlzeiten mit inbegriffen und unsere seit neustem sehr geliebte heiße Milch .
Zu bestimmten Zeiten findet morgens, mittags und abends die großeFütterung in einer mächtigen Halle statt. Mit dem Aluteller in der Hand heißt es sich in eine Schlange einzuordnen und darauf zu warten, bis man an der Reihe ist und einem mit den riesen Kellen, der Reis mit den Curry des Tages auf den Teller geklatscht wird.
Bei Reis am Morgen, Reis am Mittag und Reis am Abend, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie erfreut wir waren, als wir das kleine Restaurant erblickten, das einem leckere europäische Speisen zu günstigen Preisen zugänglich macht.
In dem Tempel im Zentrum des Aschrams wird gemeinsam gesungen, gebetet und es werden die vielfältigsten Zeremonien durchgeführt. Zu bestimmten Zeiten finden morgens Gebete und Yoga statt. Zum Sonnenaufgang sowie zum Sonnenuntergang gibt es eine angeleitete Meditation am Strand. In den späteren Abendstunden werden Mantras gesungen, die Frauen im Tempel und die Männer in der großen Essenshalle.
Wir konnten uns vor allem fürs Yoga begeistern. Mit unseren neuen Yogamättchen im Gepäck werden wir hoffentlich auch die nächsten 6 Monate noch Yoga(ktiv) bleiben :)
Nach unseren mittlerweile 6 vergangenen Wochen , in denen wir Spontanität gelebt haben und das Gefühl den Takt angab, bedurfte es einiger Umgewöhnung an das Regelhafte.
Den meisten Menschen denen man begegnete trugen weiße Kleidung und auch sonst stehen bedeckte Schultern und Beine auf der Kleiderordnung.
Das Leben hier im Aschram erinnert etwas an ein kommunales Zusammenleben und durch die gute Organisation scheint alles unabhängig von der Außenwelt zu funktionieren. Es gibt ein eigenes Krankenhaus, eine kleine Druckerei, das Essen wird selber zubereitet und sogar die meisten der im Souvenirshop zum Verkauf stehenden Produkte werden selber hergestellt. Die Verarbeitung des Abfalls, die Gartenarbeit, das Reinigen der Tempel, die Versorgung der eigenen Kühe und jegliche anderer Posten, sei es Information, Organisation oder Verkauf wird durch Freiwilligenarbeit eines Jeden geleistet. So soll ein Jeder nach seiner Ankunft den "Seva-desk" aufsuchen um sich zu informieren wo gerade Hilfe benötigt wird. In der Regel arbeitet man dann im Schnitt 2-4 Stunden täglich und kann den Rest des Tages seiner Spiritualität nach gehen und frei von Anforderungen oder Druck, in den Tag hinein leben.
Über dieser eigenen kleinen Welt schwebt eine Harmoniewolke. Wir blicken in beseelte, lächelnde Gesichtern und nehmen eine unglaubliche Ruhe wahr.
Diese spirituelle Ernsthaftigkeit empfinden wir als etwas bedrückend. Ein ausgelassenes Lachen hört man hier nicht und auch unbedachte kecke Sprüche oder andere Art von Späßchen scheinen hier nicht zu existieren. Zu gern würden wir einmal mit dem Kochlöffel die gesamte Suppe umrühren und ein bisschen Gedankenbewegung und Leichtigkeit in das ganze Geschehen bringen.
Mit zunehmender Zeit begann es uns in den Fingern zu kribbeln und wir ertappten uns bei dem Gedanken, wie es wäre, die Grenzen hier auszutesten und die Menschen mal etwas herauszufordern. Was würde es beispielsweise für Reaktionen geben, wenn wir einfach mal laut Aufschreien, jemanden zum tanzen auffordern oder nackt durch den Aschram rennen?!
In einem so gut funktionierenden System, in dem jeder mit dem Gefühl von Sicherheit und Unbeschwertheit sein Glück leben könnte, bleibt es uns bis zum Schluss unverständlich warum so unlocker ?!
Des weiteren machen wir uns Gedanken darüber ob die Menschen, die lange Zeit in dieser durchaus realitätsfernen Welt gelebt haben, sich überhaupt noch in einem Leben außerhalb des Aschrams zurechtfinden würden?!
Wie ein gezähmter Hund, denn man der Wildnis aussetzt.
Nach über 5 sehr eindrucksvollen Tagen hier im Aschram freuen wir uns weiter zu ziehen und wieder selbstverantwortlich, spontan und frei, uns nach Gefühl treiben zu lassen!
Alles Liebe zu euch!
Beim Aschram des weiblichen Gurus Matha Amrithanandamayi auch "Amma" (Mutter) genannt, verließen wir mit wackeligen Beinen und noch ganz beduselt von den schönen Eindrücken, die Fähre.
Amma hat auch den Ruf der "umarmende Mutter", in stundenlangen Zeremonien hat sie mittlerweile schon mehrere Millionen Menschen umarmt. Ihr geht es darum Trost und Liebe in der Welt zu verbreiten. Auch international findet sie Anerkennung und auf ihren zahlreichen Tourneen, sorgt sie dafür, dass Jedem , die von ihr gehaltenen Vorträge, geführten Meditationen und Musik, kostenfrei zugänglich ist.
Hier im Aschram, ihrer Geburtstätte, hat sie ein spirituelles Zentrum aufgebaut und gleichzeitig ist es der Sitz ihrer Organisation "embrassing the world".
Die drei Hauptziele dieser Organisation sind Armutsbekämpfung, das ermöglichen von Bildung und Frauen den Weg in die Unabhängigkeit zu ebnen.
So ermöglicht sie beispielsweise die Renovierung von Hütten in Slums, vergibt Mikrokredite, hat schon über 100.000 Stipendien vergeben und errichtete nicht weit vom Aschram entfernt 5 verschiedene Universitäten. Religion und Herkunft spielen für die Hilfsorganisation keine Rolle.
Der Aschram liegt auf einer Landzunge inmitten von Palmen und kleinen Dörfern. Im Zentrum befindet sich ein großer Tempel der von Plattenbauten umgeben ist.
Dies verwunderte uns zunächst ganz schön, doch wie wir später erfuhren, musste auf den großen Andrang der Menschen die aus aller Welt hier her kommen um einige Tage, Woche, Monate, Jahre oder auch ihr ganzes Leben hier zu verbringen, reagiert werden.
Es ist eine bunte Mischung aus gläubigen Indern, Westlern und den indischen Studenten der nahegelegenen Universitäten Ammas. Schon gleich nach unser Ankunft wird uns bewusst, dass hier alles sehr organisiert ist. Wir bekamen sofort ein Zimmer zugewiesen , Regeln für das Zusammenleben in die Hand gedrückt und eine Führung durch den gesamten Aschram.
Im elften Stock des ersten Plattenbaus rechts, fanden wir nun also unsere Bleibe für die kommenden Tage. Ein kleines sehr spärlich eingerichtetes Zimmer in dem sich außer einem Tischchen und 3 Matten auf dem Boden, nichts weiter befand. Es erinnert uns etwas an ein Knastidasein. Aber es gibt wohlgemerkt ein Bad mit europäischen Klo und funktionierender Dusche ;)
Eine Übernachtung kostet 250 Rupie (3,55€) , allerdings sind alle drei indische Mahlzeiten mit inbegriffen und unsere seit neustem sehr geliebte heiße Milch .
Zu bestimmten Zeiten findet morgens, mittags und abends die großeFütterung in einer mächtigen Halle statt. Mit dem Aluteller in der Hand heißt es sich in eine Schlange einzuordnen und darauf zu warten, bis man an der Reihe ist und einem mit den riesen Kellen, der Reis mit den Curry des Tages auf den Teller geklatscht wird.
Bei Reis am Morgen, Reis am Mittag und Reis am Abend, könnt ihr euch sicher vorstellen, wie erfreut wir waren, als wir das kleine Restaurant erblickten, das einem leckere europäische Speisen zu günstigen Preisen zugänglich macht.
In dem Tempel im Zentrum des Aschrams wird gemeinsam gesungen, gebetet und es werden die vielfältigsten Zeremonien durchgeführt. Zu bestimmten Zeiten finden morgens Gebete und Yoga statt. Zum Sonnenaufgang sowie zum Sonnenuntergang gibt es eine angeleitete Meditation am Strand. In den späteren Abendstunden werden Mantras gesungen, die Frauen im Tempel und die Männer in der großen Essenshalle.
Wir konnten uns vor allem fürs Yoga begeistern. Mit unseren neuen Yogamättchen im Gepäck werden wir hoffentlich auch die nächsten 6 Monate noch Yoga(ktiv) bleiben :)
Nach unseren mittlerweile 6 vergangenen Wochen , in denen wir Spontanität gelebt haben und das Gefühl den Takt angab, bedurfte es einiger Umgewöhnung an das Regelhafte.
Den meisten Menschen denen man begegnete trugen weiße Kleidung und auch sonst stehen bedeckte Schultern und Beine auf der Kleiderordnung.
Das Leben hier im Aschram erinnert etwas an ein kommunales Zusammenleben und durch die gute Organisation scheint alles unabhängig von der Außenwelt zu funktionieren. Es gibt ein eigenes Krankenhaus, eine kleine Druckerei, das Essen wird selber zubereitet und sogar die meisten der im Souvenirshop zum Verkauf stehenden Produkte werden selber hergestellt. Die Verarbeitung des Abfalls, die Gartenarbeit, das Reinigen der Tempel, die Versorgung der eigenen Kühe und jegliche anderer Posten, sei es Information, Organisation oder Verkauf wird durch Freiwilligenarbeit eines Jeden geleistet. So soll ein Jeder nach seiner Ankunft den "Seva-desk" aufsuchen um sich zu informieren wo gerade Hilfe benötigt wird. In der Regel arbeitet man dann im Schnitt 2-4 Stunden täglich und kann den Rest des Tages seiner Spiritualität nach gehen und frei von Anforderungen oder Druck, in den Tag hinein leben.
Über dieser eigenen kleinen Welt schwebt eine Harmoniewolke. Wir blicken in beseelte, lächelnde Gesichtern und nehmen eine unglaubliche Ruhe wahr.
Diese spirituelle Ernsthaftigkeit empfinden wir als etwas bedrückend. Ein ausgelassenes Lachen hört man hier nicht und auch unbedachte kecke Sprüche oder andere Art von Späßchen scheinen hier nicht zu existieren. Zu gern würden wir einmal mit dem Kochlöffel die gesamte Suppe umrühren und ein bisschen Gedankenbewegung und Leichtigkeit in das ganze Geschehen bringen.
Mit zunehmender Zeit begann es uns in den Fingern zu kribbeln und wir ertappten uns bei dem Gedanken, wie es wäre, die Grenzen hier auszutesten und die Menschen mal etwas herauszufordern. Was würde es beispielsweise für Reaktionen geben, wenn wir einfach mal laut Aufschreien, jemanden zum tanzen auffordern oder nackt durch den Aschram rennen?!
In einem so gut funktionierenden System, in dem jeder mit dem Gefühl von Sicherheit und Unbeschwertheit sein Glück leben könnte, bleibt es uns bis zum Schluss unverständlich warum so unlocker ?!
Des weiteren machen wir uns Gedanken darüber ob die Menschen, die lange Zeit in dieser durchaus realitätsfernen Welt gelebt haben, sich überhaupt noch in einem Leben außerhalb des Aschrams zurechtfinden würden?!
Wie ein gezähmter Hund, denn man der Wildnis aussetzt.
Nach über 5 sehr eindrucksvollen Tagen hier im Aschram freuen wir uns weiter zu ziehen und wieder selbstverantwortlich, spontan und frei, uns nach Gefühl treiben zu lassen!
Alles Liebe zu euch!
hannakowski - 6. Apr, 17:12