Mittwoch, 27. März 2013

Hampi

Nach knapp einer Woche in der wir die Einfachheit des paradiesischen Agonda sehr zu schätzen lernten, geht es nun froh und munter weiter.
Das kleine Hampi zieht einen in den Bann. Das saftige Grün der sich endlos weit erstreckenden Reisfelder und die unzähligen Palmen stehen im Kontrast, zu den sandfarbenen Tempelnruinen und dem rostroten Sand der Feldwege. Riesige Steine ragen wie Felsen in den Himmel empor, als hätte ein großes Geschöpf seine Hand geöffnet und es Kieselsteine regnen lassen.
Hampi ist ein wahres Naturwunder, hier hat man das Gefühl, dass die Natur noch über den Menschen herrscht.
Diese Naturschätze Hampis wurden von der UNESCO zum Welterbe ernannt und so werden viele Läden und Guesthäuser abgerissen um diese zu schützen. Hier ist vieles im Umbruch, wir sind gespannt wie Hampi sich in Zukunft entwickeln wird.
Schon im Zug machten wir Bekanntschaft mit dem Franzosen Pierre, ein wirklich angenehmer Zeitgenosse. Mit ihm ging es stunden lang auf dem Scooter, er natürlich auf der Royale Enfild ;-) die endlosen Wege entlang. Wir trafen kaum auf andere Menschen, an Weggabelungen hieß es ganz nach Bauchgefühl " Links oder Rechts". So kamen wir an Orte, die so unberührt wirkten, als wäre dir noch nie ein Mensch gewesen.
Hinter großen Steinfelsen überraschten uns Spiegelglatte Seen, in denen Krokodile hausen :-) und irgendwo im nirgendwo, wo nur einige wenige Menschen hausen ( das ist in Indien eine Seltenheit ), wurden wir auf einen Chai herein gebeten.
Die Fahrt mit dem Scooter macht einem möglich, Orte zu sehen, die für uns sonst nicht erreichbar wären.
Vom Freiheitsgefühl beflügelt und vom Fahrtwind erfrischt stört uns auch die unglaubliche Hitze nicht mehr. Schon morgens um 10 Uhr zeigte das Thermometer 36 Grad an, puh gaben wir uns nach einem frischen Windchen gesehnt.
Durch einen Tipp von irgendwem, der es wiederrum von jemand anderem erfuhr, gepaart mit etwas Glück und Zufall fanden, wir unser gemütliches, schönes und authentisches neues Heim in einer indischen Familie. Hier wehte auf jeden Fall ein frischer Wind, auch wenn viel mehr warm als kalt.
Die kleinen Kinder tanzen im Innenhof, die Jugend flechtet Körbe oder kommt mit dem Eis-Fahrrad vorbei geradelt und in dem ganzen gewusel sorgen Claras Familienangehörige ( der Gockel und seine Hühner) für noch mehr Trubel.
Nach dem ganzen geschwärme, brauchen wir ja nicht mehr sagen, was für eine tolle Zeit wir hier haben ;-)
Jetzt geht es erstmal auf Nahrungssuche, Bon Appetit :-D

Agonda die Zweite

Nach der gefühlten Eindrucksexplosion und der immer wechselnden Umgebungen entpuppte sich Agonda als genau der richtige Ort um zur Ruhe zu kommen und unsere Gedanken zu ordnen. Der morgendliche Sprung ins Meer, stundenlange Spaziergänge mit dem Füßen im Wasser, beflügelte Geschmacksnerven nach dem geliebten "Frühstück-Müsli-Mix-Fruits-Curd-Honey-Erlebnis", Siesta im Schatten mit Bastelei und der Nachmittagsausflug zur ruhigsten Stelle der Bucht, in der die Wellen schon weit vorm Strand durch die Felsen gebrochen werden. Abends saßen wir gern mit unseren Nachbarn zusammen, die uns schon gleich nach unserer Ankunft mit ihren Doorsklängen beglückten. Laila und A. kommen aus Südfrankreich, jedes Jahr verschlägt es sie für etwa 6 Monate nach Agonda. Die Begegnung mit den Beiden war unheimlich spannend für uns, da sie schon fast überall auf der Welt gewesen sind und wir noch am Anfang unser Welterkundung stehen. Sie gaben uns nicht nur viele Tipps, sondern auch wie A sagte 'die Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben'. So predigte A uns, dass man Leben statt Reisen sollte, was bedeutet, an einem Ort so lange zu verweilen bis man ihn "spürt" und wahrnimmt, wie man sich selber an diesem Ort zu verhalten beginnt. Des Weiteren wollte er uns nahebringen, dass man mit ein wenig Ideenreichtum und Kreativität auch auf Reisen leicht das Geld verdienen kann, was man zum leben braucht. Das Reisen kann zum Leben werden, die Beiden sind dafür das beste Beispiel. Wichtig ist A. nicht in die Position des Angestellten zu kommen sondern eigens etwas zu erschaffen. Dies ist ihnen bis heute gelungen und mittlerweile müssen sie noch nicht einmal mehr arbeiten.

Gerade solche Gespräche, in denen man über die Vorstellungen von der Lebensführung spricht, Erfahrungen austauscht und sich gegenseitig Gedankenanstöße gibt, zeichnet das Reisen und den Kontakt zu Reisenden aus.
Ein bisschen verrückt waren die Beiden in jedem Fall auch. Tagsüber tanzte A gern durch unser Palmenwäldchen, rangelte stundenlang mit seinem 6 Hunden und versuchte sich von der Veranda seiner Bambushütte aus, mitzuteilen. Es wurde gewitzelt, kommentiert, erzählt, gefragt, erklärt und gelacht.
So erklärte uns A eines Abends die indische Mentalität anhand des Rudelverhaltens der streuenden Hunde Indiens.
Ansonsten war ein großer Bestandteil ihres Tages, die Frage was und wo gegessen werden sollte. Anfangs empfanden wir dies als recht amüsant, mussten schon nach dem zweiten Tag mit Schrecken feststellen, dass wir das Selbe taten.
Das Thema war noch nie so präsent ;)
An einem unserer Abende in Agonda begleiteten wir Laila und A zu einem Konzert einer Freundin. Elfi aus Israel kommt ebenfalls mit ihrer Freundin alle halbe Jahr hierher. Sie spielt nicht nur im 'Simrose' ihre Songs, sondern verdient sich mit einer brillanten Geschäftsidee noch etwas dazu. Sie verkaufen einen OB-Ersatz aus Latex, der bis zu 10 Jahre wieder verwendbar ist und ökonomisch sowohl gesundheitlich dem herkömmlichen Tampon voraus ist. Dies kommt natürlich gerade in einem Land wie Indien, bei den Travellern gut an, da man Tampons hier nicht kaufen kann.
Bei 36 Grad und ein wenig Wind, mussten wir unseren Tagesablauf zwangsläufig umstellen. Man glaubt es kaum, wir stehen um 7 Uhr auf und die Klänge der Wellen begleiten uns schon um 22.30 Uhr ins Schlummerland.
Ihr Lieben, auf bald!
Grüße und Küsse!

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